6. Warum überlassen wir die Natur in Deutschland nicht sich selbst und schaffen die Jagd ab?

• Das Jagdausübungsrecht genießt den Schutz des Artikels 14 unseres Grundgesetzes und ist deshalb gar nicht so einfach abzuschaffen.

• Deutschland ist vom Menschen stark geprägt. Wir leben in einer Kulturlandschaft. „Wildnis“ gibt es nicht mehr. Landwirtschaft, Industrie, Verkehr und Siedlungen prägen das Bild. Wir Jäger müssen bestimmte anpassungsfähige Arten im Bestand reduzieren und seltene Lebensräume verbessern. Das ist wichtig,

o um spezialisierten Arten wie Feldlerche, Feldhase oder Feldhamster zu helfen, etwa durch das Anlegen von Blühstreifen und die Bejagung von Füchsen.

o um Tierseuchen zu vermeiden, wie etwa Schweinepest oder Tollwut beim Fuchs. (Seit 2008 ist Deutschland tollwutfrei, Einschleppung aus Osteuropa jederzeit möglich)

o um wirtschaftliche Schäden abzuwenden, wie etwa Fraßschäden im Wald und auf Feldern.

• Die Natur sich selbst zu überlassen bedeutet in unserer Kulturlandschaft:

o Immer mehr Wildschweine und schließlich Schweinepest. Tritt diese auf, müssen tausende Hausschweine vorsorglich getötet werden, Deutschland darf kein Schweinefleisch mehr ausführen.

o Seltene Arten werden weiter zurückgedrängt und sterben regional aus, weil räuberische, anpassungsfähige Arten wir Fuchs oder Marder sich ausbreiten.

o Immer mehr Rehe und Hirsche: Junge Bäume sterben ab oder wachsen schlecht, weil Knospen und Triebe großflächig abgefressen werden.

• Selbst in waldreichen Nationalparken wie in der Eifel oder in der Müritz werden deshalb Rehe und Hirsche gejagt. In Schutzgebieten für seltene Wiesenvögel werden Füchse und Marder gejagt, auch von anderen Naturschutzverbänden und staatlichen Organisationen.

Praxisbeispiel:

Deutschland will mehr nachwachsende Rohstoffe (Biogas) anbauen und hat sich in internationalen Abkommen verpflichtet, die Artenvielfalt zu fördern. Ein Zielkonflikt, der sich nicht durch bloßes Zuschauen lösen lässt. Für Biogas und nachwachsende Rohstoffe bauen wir immer mehr Raps und Mais in Deutschland an – insgesamt sind über 10 Prozent der Bundesfläche damit bebaut. Das ist 26-mal mehr Fläche als vor 30 Jahren. Die Folge: Spezialisierte Arten der Feldflur wie Feldlerche, Feldhamster, Rebhuhn oder Feldhase sind auf dem Rückzug, anpassungsfähige Allesfresser wie das Wildschwein verlagern ihren Lebensraum vom Wald inzwischen für Monate ins Feld und fressen sich dick und rund: Sie können ihre Zahl innerhalb eines Jahres vervierfachen und werden schon mit 5Monaten geschlechtsreif.

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