7. Warum gibt es immer mehr Rehe, Hirsche und Wildschweine in Deutschland? Liegt das daran, dass die Jäger kräftig füttern?

• Das Phänomen von steigenden Wildtierbeständen ist ein europäisches und hat nichts mit den Jägern zu tun: Nach Auskunft des Thünen - Instituts in Eberswalde hat sich die Zahl der erlegten Paarhufer (Reh, Hirsch, Wildschwein) in Zentraleuropa innerhalb von 40 Jahren verdreifacht, in Deutschland lediglich verdoppelt.

• Die Ursachen sind komplex, mehr Nahrung und Deckung sind allerdings die Hauptgründe. Allen voran der großflächige Anbau bitterstofffreier, energiereicher Nahrung wie Raps oder Mais. Hinzu kommt ein ungewollter steigender Eintrag des Düngers Stickstoff durch die Luft, der das Pflanzenwachstum ankurbelt. Eine Folge: sich häufende Mastjahre, also Jahre, in denen Eichen und Buchen im Wald große Mengen Samen produzieren. Zudem fehlen in den letzten Jahrzehnten überdurchschnittlich kalte Winter fast gänzlich, was die natürliche Sterblichkeit stark herabsetzt.

• Der Kulturfolger Wildschwein ist besonders erfolgreich und konnte seinen Lebensraum in Zentraleuropa innerhalb von vier Jahrzehnten verdreifachen – nicht zuletzt durch die geänderte Anbauweise in der Landwirtschaft und die inzwischen dauerhaft mögliche Besiedlung von landwirtschaftlichen Flächen und Ortschaften. Selbst in Schweden, Norwegen und Dänemark kommt das Wildschwein inzwischen vor, ebenso in Höhenlagen Österreichs. In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Zahl der erlegten Schwarzkittel europaweit verzehnfacht.

• Das Füttern von Wildtieren ist in Deutschland grundsätzlich nur in Notzeiten erlaubt, die von Behörden ausgerufen werden – etwa bei Eisbedeckung, hohem Schnee oder Überschwemmungen. Artgerechtes Futter wird dann für Pflanzenfresser ausgebracht.

• 90 Prozent der Bevölkerung finden es wichtig, dass Jäger Wildtiere in Notzeiten füttern. Das zeigt die Imagebefragung des IfA-Instituts (2011).

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